Msungu, how are you?

Am Samstag war ich mit Nancy, einer Couchsurferin aus Nairobi, zu erst auf dem Masai Tourimarkt in der Innenstadt und dann in ihrem Maedchenfussballprojekt im Slum suedlich von Eastleigh. Ein paar Eindruecke zum Mbemba Projekt findet ihr hier.

 

Neben den krassen Eindruecken wie beengt, dreckig und unhygienisch die Lebenswirklichkeit von mehr als 3 Millionen Menschen alleine in Nairobi ist, sind mir vor allem die Farben, die vielen kleinen Strassenstaende und die Freundlichkeit der Menschen aufgefallen. Fotos vom Slum, den Haeuser usw. habe ich kaum gemacht. Einerseits, weil es mir falsch vor kam, das Elend Fremder neugierig mit meiner Kamera festzuhalten und andererseits weil ich nicht sicher war, ob meine Kamera nicht doch Begehrlichkeiten wecken wuerde...

Fotos von Menschen hingegen habe ich sehr viele machen duerfen/muessen. Viele Kinder, auch ganz kleine (1-2 Jahre) kamen auf mich zu und riefen entweder nur "Msungu", also "weisse Person" hinter mir her oder "How are you?". Ich glaube ich habe noch nie so oft "Fine, and how are you" an einem Tag gesagt.

 

Muetter, die draussen Obst verkauften oder kleine Garkuechen hatten riefen ihre Kinder herbei. Nancy uebersetzte ihr Swaheli fuer mich und die meisten sagten tatsaechlich so etwas wie " Kommt schnell gucken, eine weisse Person. Geht, sagt der weissen Person "Hallo"" ... Die erste halbe Stunde war es interessant, danach anstrengend immer freundlich zu antworten, vorallem da auf meine Rueckfrage niemand antwortete sondern die meisten Kinder sich umdrehten, lachten und wegliefen. Interessant war auch die Erfahrung, dass kleine Kinder und Babies Angst vor mir hatten. Eigentlich kennen die meisten Kinder "Weisse" aus dem Fernsehen, aber live hatten die wenigsten bisher eine gesehen.

 

Auf dem Fussballplatz trainierten die 20 Maedchen aus dem Mbemba Projekt und spielten ungefaehr 30 weitere, zumeist die kleinen Geschwister auf die sie eigentlich aufpassen sollten. Nach ein paar Stunden tauten die Kids auf und wollten meine Kamera angucken. Nachdem klar war, was die macht wollte jedes Kind sich auf einem Foto sehen. "Msungu, pic too?"

 

Nachmittags lernte ich dann noch Nancys Eltern kenne, die in einem "gehobenen" Slum nebenan wohnen und fuhr etwas abenteuerlich mit dem Matatu zurueck zur Botschaft.

 

Sonntags war ich im deutschen Gottesdienst (leider ohne Predigt, da anlaesslich des Weltgebetstags) und habe Abends mit zwei anderen Praktikantinnen gekocht.

 

Alles in allem war es ein sehr abwechslungsreiches, einpraegsames Wochenende, das mir einerseits um so deutlicher gemacht hat WIE GUT ich es eigentlich habe und wie viele Dinge ich fuer ganz selbstverstaendlich nehme und andererseits die Schere zwischen Arm und Reich hier in Nairobi krass verdeutlicht hat.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Doris (Donnerstag, 05 März 2009 17:11)

    Finde nicht, dass der Typ recht hat - außer bei den Kommas... ;)

  • #2

    lemim (Sonntag, 08 März 2009 14:46)

    Spannende Berichte! Was ich mich gerade beim Lesen gefragt habe: Wie gefährlich ist dieses Land (auch ohne die Kamera rauszuholen) für eine Weiße mit blonden Haaren. Es klingt doch teilweise recht abenteuerlich/ mutig.

    Vielen Dank für die Geburtstagskarte, die vorgestern angekommen ist. Habe mich sehr gefreut!!! :-)

  • #3

    ausgerechnetuppsala (Montag, 09 März 2009 11:23)

    @ Doris, dann kann ich eben keine KOMMATA ;)

    @Roga: Gefaehrlich ist Nairobi nur dann, wenn es dunkel ist oder man alleine (und) in oeffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Tendenziell gilt immer, dass man zwei Geldboersen dabei haben sollte, eine die man schnell hergeben kann und eine besser versteckte. Kreditkarte oder EC Karte nur zum Geldabheben mitnehmen - und dann mit einem Taxifahrer den man schon kennt zuegig nach Hause.
    Aber es mussten sich auch schon Praktikantinnen der KAS komplett ausziehen (im Matatu abgefangen) - da nutzt Geld im BH usw. dann auch nix mehr. Allerdings geht es tatsaechlich um das Geld - nicht um Sex oder Leben. Auch Handys oder Kameras packe ich nur aus, wenn andere Touris oder mir bekannte Kenianer in der Naehe sind - Gruppen sollen angeblich abschreckend wirken. Nervig, aber ungefaehrlich, sind die Leute die einen staendig nach Telefonnummern fragen oder einem (fuer Geld) den Weg zeigen wollen.
    ...Die Postkarte war jetzt fast 4 Wochen unterwegs, aber ok. Eigentlich soll es nur eine dauern...